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Lesekatzen

Lesekatzen

Vier Katzenbesitzerinnen bloggen gemeinsam über das, was sie neben ihren Vierbeinern am meisten lieben: BÜCHER!!!

Space dich!

Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten - Becky Chambers, Karin Will
"Socken zu dem Hut." S.73
„Danke Berglaug.“ Das rät die Danksagung des Buches, soll man sagen, wenn man mit der Lektüre zufrieden war. Was ich bestätigen kann, war ich. Allerdings vermisse ich ein wenig den Weg, das klein, das zornig, den Planeten in „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“.
Daher erst einmal der Hinweis: Dieses Buch hat einen wirklich beeindruckenden Titel, beim Munchkin-Spiel würde das echt was hermachen. Warum das Buch am Ende gut war, aber auch nicht herausragend, werde ich - nach einer kurzen Einleitung - erläutern.

Gekauft habe ich das Buch in einem Anflug von Spontanität, begünstigt durch eine absolut lustige Gruppe mit der ich auf Lovelybooks ab und an Werwolf spiele. Und da ein paar dieser lustigen User kaum erwarten können zu erfahren, wie ich dieses Buch denn nun finde, ziehe ich die Rezi gern vor, obwohl ich heute eher eine posten wollte, in der es um Valentin oder Romanzen geht. Da ich keinen Valentin habe und auch eher selten Romance lese, gibt es nun aber dies hier. Dafür habe ich mich in die Reptilienrasse der „Aandrisks“ verliebt und in deren „Tresh“ (das heißt Spaß oder auch Orgie, meistens beides.)
 
"Felsbrocken. Gaswolken. Abfälle.
Andere Schiffe. Noch mehr Felsbrocken.
Der Vorrat an Felsbrocken im Weltall war schier endlos." S.335
Ich hangele mich mal an ein paar Worten entlang, die ihr nicht kennt, unter denen ihr euch aber sicher was vorstellen könnt. Denn für einen Science Fiction typisch befinden wir uns im Weltall, in einem Schiff, getrennt vom Luftleeren Raum (der ja eher ungesund ist) durch dicke Wände, auf die gerne mal ein paar Steinchen prasseln. Da trudeln im Weltall nämlich eine ganze Menge von rum - also Steine, na gut und auch Schiffe in diesem Buch. Gute Nachricht vorneweg: Es gibt Aliens. Die Menschen sind allerdings erst echt spät zu der „GU“ gestoßen, Menschen musste man erst „eine Krücke“ an die Hand geben, sonst hätten die sich nie zurecht gefunden. Und da freuen sich die Menschen in dem Buch auch wirklich drüber, dass sie doch was wert sind, in den Augen der anderen Rassen.

So *Finger ineinander verschränk und knackend durchdrück*. Egal ob also in einem der Zimmer auf dem Tunnel-Bohrer-Schiff WAYFARER, oder dem „Goldfischglas“ oder im Maschinenraum, das klobige Ding ist mal eins nicht: Kein Abklatsch der Serenity aus Firefly: juche - davon hatten wir jetzt auch genug. Also keine Military SF, keine Schmuggler, keine Piraten, keine Frachter - sondern ein Arbeitsschiff. Freut mich, macht es so herrlich griffig, Löcher für Schnelltunnel in die Raum/Zeit bohren, voll cool. Das physikalische Einstein Know How lassen wir dabei gekonnt liegen, ist doch egal wie das funktioniert. Du brauchst einen Bohrer und einen Alien-Virus-Wir-Paar-Navigator. Gemütlich ist es aber schon auf dem Schiff.


"Komm schon, so schlimm ist das doch nicht!",
zirpte die Pixel-Pflanze.
"Nimm dich mal selbst in den Arm.
" S.206
Die Crew besteht aus echt vielen Leuten. Captain: Ashby, Pilotin: Sissix, Navigatoren: Ohan, Mechtech: Kizzy, Comptech: Jenks, Algenfuzzy: Corbin, (geht noch weiter Moment) Koch und Arzt: Dr.Koch (ja da kann ich auch nicht für, der heißt so wie was er ist), die Schiffs K.I.: Lovey und (ja wir sind immer noch bei der Crew!) finally intergalaktische Sekretärin: Rosemary (ohne Baby). Und dann kommen noch die Nebendarsteller hinzu, aber die erspare ich euch an dieser Stelle. „Tagzehnte“ lang fliegen die jetzt durch die Gegend und erfüllen ihre Aufträge und stoßen gar heftig mal mit Käfig, mal blind, in das All vor und bohren was das Zeug hält. Genau zwei Mal in dem Buch. Schade. Aber die Crew raucht eh lieber „Smash“, beschwert sich über die „Dental-Bots“ und trinkt „Mek“ beim „Tikkit“-Spiel.

Bis zu dem Tag an dem Ashby Rosemary einstellt, denn der Captain hat es nicht so mit Bürokram. Durch eben jene Einstellung aber hat er nun irgendwie ein Stein im Brett bei der Regierung, die total kosmopolitisch auf Wombats abfährt. *schüttelt den „Scribus“* Ah, - voll auf die Richtlinien abfährt. Und deswegen kriegt die WAYFARER ein Bombenangebot. So und nachdem dann sicher gestellt ist, dass der Leser auch ja weiss mit welchen Charakteren er es zu tun hat, welche Hintergründe jeder einzelne hat und wie sie zueinander stehen, kann dann diese lange Reise auch endlich mal losgehen. Für die
Spacer winken dick Credits für die man sich bestimmt ganz viele „Krampfklammern“, „Saatgut“ und „Klatschlappen“ kaufen kann.
 

Fazit: 
Das Buch kann Charaktere und diese so miteinander verbandeln, dass es am Ende ein komplexes Sozialgefüge ergibt, man hat als Leser alle lieb gewonnen und möchte niemanden missen. Die Crew bestand schon, eine neue Person kommt hinzu, doch wird problemlos in die gemischtrassige Einheit integriert. Der Leser erfährt viele vernünftige Überlegungen, wenig Aktion. Man besucht ein paar Orte, die meiste Zeit ist man aber mit sich selbst als familiäre (Feder-Familie nicht Nest-Familie und schon gar keine Ei-Familie) Gruppe auf Langzeitflügen beschäftigt. Gut, dass man gegen den Raumkoller Videospiele und den kleinen galaktischen Garten zur Verfügung hat und wenn das nicht hilft, putzt man das Schiff eben auf Hochglanz.

Sehr freundlich und friedlich dieser Universumsentwurf, obwohl es viel Reibereien, Ächtung, Geringschätzung, Sekten, Faschisten, Speziesisten (also statt Sexisten - aber die bestimmt auch) und Krieg gibt. Aber das ist alles außerhalb, weit entfernt von dem Geschehen der Charaktere, immer nur tangiert, manchmal mit ein wenig Einfluss auf Einzelne. Dieser lange Weg ist letztlich zu finden zwischen Seite 200 und 400 und der Aufenthalt dort war ein Witz. Aber um den ging es ja auch nicht, es ging ja um den Weg dahin, die Vorbereitung auf diese Fahrt inbegriffen. Nach den 500 Seiten hat man endlich das Gefühl: Jetzt könnte es losgehen, dabei ist der ganze Weg schon vorbei, nachdem man zu viel Charakter, zu wenig Weg hatte. Lohnt sich der Weg? Der Weg war schön, übersprang aber die falschen Stellen, legte zu viel Fokus auf die Hintergrundkonflikte der Besatzung und vergaß dabei das kleine süße Lavabällchen.


Urteil: ich, du, er sie und ser, wir, ihr und sie sowie sir.
Quelle: http://lesekatzen.blogspot.de/2017/02/rezension-der-lange-weg-zu-einem.html