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Lesekatzen

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Vier Katzenbesitzerinnen bloggen gemeinsam über das, was sie neben ihren Vierbeinern am meisten lieben: BÜCHER!!!

Grün.

Das grüne Rollo: Roman - Heinrich Steinfest

Von der Key gibt es heute erneut eine Coop-Rezi. Mein Dank gilt OriginalDibbler vom Blog: Bibliothek von Imre, in diesem Fall, wie schon zum Werk von Neil Gaiman und Chris Riddell: „The Sleeper and the Spindle“, da ich sonst nie über diesen Titel gestolpert wäre, obwohl doch geradezu schon mein Name darauf steht: grün.

Autor Steinfest ist definitiv des Deutschen mächtig und hat einen sehr interessanten Stil. Leider konnte er mich nicht gänzlich packen. Er benutzt so schöne, nicht oft über meine Füße stolpernden, Worte wie: „sakrosankt“ oder „kontrakarieren“ und er schreibt „daß“ mit scharfem s.
Dennoch bleiben einfach nur viele verwirrenden Informationen zurück die einen in diesem Grün herumführen. Es geht um viele verschiedene Thematiken, darunter Zwänge, Bestrafung, Bürgerkrieg, Diesseits-Jenseits, Computer, Familien. Interpretation und Spielraum sind jedoch weit wie das Universum, welches nichts verliert, laut Theo.

 
 
Der erste Teil (Dibblers Leseeindruck) 
Der erste Teil handelt vom 10jährigen Theo, dem eines Nachts um 23:02 - plötzlich und ohne jegliche Vorwarnung - ein grünes Rollo in seinem Zimmer erscheint. Das Rollo erscheint aber nicht nur einmal, nein, es erscheint jede Nacht pünktlich und zur gleichen Zeit. Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich das Muster auf dem Rollo als ein bewegtes Bild. Als Theo sich das Ganze näher ansehen will, wird er plötzlich ins Rollo hinein gezogen und findet sich in einer merkwürdigen grünen Welt wieder. 
 
In gewisser Hinsicht ist Theos Abenteuer, das in unserer Welt beginnt und und in der grünen Welt seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht, ein sehr typisches Kinder- bzw. Jugendbuchabenteuer. Die Parallelen zu Geschichten wie Alice im Wunderland oder den Chroniken von Narnia sind nicht von der Hand zu weisen. In vielerlei Hinsicht, ist es aber eine ganz andere Geschichte. Zum einen ist die grüne Welt weniger phantastisch, als die Welten der beiden zuvor genannten Bücher. Wobei das so auch nicht stimmt. Sie ist weniger offensichtlich phantastisch. Es gibt nichts was an sprechende Hasen mit Taschenuhren heranreichen würde. Auf den ersten Blick ist die Welt, bis auf das grüne Licht, relativ normal. Aber halt nur auf dem ersten Blick... Außerdem ist der gesamte Ton der Erzählung anders. Theo erzählt die Geschichte als Ich-Erzähler aber nicht der 10jährige Theo erzählt, sondern der erwachsene Theo. Die Kombination aus kindlicher und erwachsener Sicht ist sehr gelungen. 
 
Der zweite Teil (Mein Leseeindruck) 
Dieses Buch mag keinen unpünktlichen Hasen haben, aber dafür gibt es im zweiten Teil des Werkes eine Katze, die man scheint’s hervorragend in den Pullover stopfen kann.
Teil 2 besticht durch Kürze und viele weitere interessante Details wie die „villa malaparte“. Ich halte dieses Stück jedoch nicht für den schlechteren Teil der dreien. Bis zum 20. Kapitel hab’ ich viel die Stirn gerunzelt, überhaupt habe ich sehr oft etwas ratlos dreingeschaut bei der Lektüre. Weil es hier unglaubliche viele Spekulationsmöglichkeiten gibt.
Mein Lieblingssatz ist auch hier zu finden: „Es gibt eine große Schönheit der Unterlassung“. (S.190)
 
Deshalb erleben wir nun mit Theo zusammen die Seite seines erwachsenen Lebens aus der Sicht des reifen Mannes, der heiratet, sich mit den Kindern arrangiert, sich scheiden lässt … alles grün. Steinfest kredenzt ein normalisiertes Leben mit einem extravaganten Werdegang den der Protagonist da beruflich einschlägt. Aber keine Bange, das Universum verliert Nichts, laut Theo und deshalb taucht was wieder auf? - Yep. Und wie eine inhaltliche Spiegelung werden die Stationen 'Im Grünen' noch einmal durchlaufen. 
 
Der dritte Teil 
Ich fang' an:
Nur weil etwas optional ist, muss man es nicht mitnehmen! Dieser Teil hat zwar so gut wie alle offenen Fragen geklärt, war schlüssig und logisch, ABER er hat der ganzen grünen Geschichte auch komplett den Zauber geraubt. Das fühlte sich an wie rückwirkend gespoilert werden. Schlußendlich denkt man sich mit einem Hammer auf den Kopf gehauen worden zu sein, da das kein sehr angenehmes Gefühl ist, hätte ich dieses Stück lieber NICHT gelesen.
Und das sagt Dibbler sazu: 
Diesen Eindruck, kann ich gut verstehen und ein bisschen ging es mir genau so. Aber obwohl der dritte Teil die ersten beiden komplett entzaubert, muss man doch anerkennen, dass er eine sehr gute und bis ins kleinste Detail nachvollziehbare Erklärung für alles, was vorher geschah, bietet. Wer Phantastik mag, sollte auf den dritten Teil verzichten. Für diejenigen, für die überzeugende Auflösungen das A und O sind, ist der dritte Teil durchaus eine gute Option.


Fazit:
Hier ist es sehr Grün, sogar teilweise die Schrift, was mir ausnehmend gut gefällt. Sehr amüsiert habe ich mich schon auf Seite 11, dort stand selbst das Wort: „grün“ in grün. Das Cover gefällt mir leider überhaupt nicht, obwohl es ganz klar Bezug zum Inhalt hat. Aber aufgrund dieses Stillebens hätte ich das Buch nicht einmal angefasst. Der Inhalt jedoch: faszinierend und merkwürdig zugleich. Das macht alles so den Eindruck von einer riesigen begehbaren Metapher.

Zum Urteil ein ‚Chez Felix Sandwich‘: nur durchschnittlich
Quelle: http://lesekatzen.blogspot.de/2015/07/rezension-coop-rezi-das-grune-rollo-by.html