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Lesekatzen

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Vier Katzenbesitzerinnen bloggen gemeinsam über das, was sie neben ihren Vierbeinern am meisten lieben: BÜCHER!!!

Ein Kapitän und sein Roboter

Helden heulen nicht: Roman - Simon Haynes, Winfried Czech
„Soll das heißen,
dass ich die letzten vier Stunden damit zugebracht habe,
die Volante durch einen Bildschirmschoner zu fliegen?“
 
Schon die ersten beiden Kapitel halten, was ich mir davon versprochen hab:
Das Buch unterhält mich gut, wie es vom Cover schon abzusehen war. Übrigens dieselbe Illustratorin (Katarzyna Oleska), welche auch für ein paar Cover von den neuen Terry Pratchett Ausgaben verantwortlich ist.
Hal Spacejock, Frachtercaptain, der nicht der Raumfahrergilde angehört, weil die versnobt sind, liest das Steuerungshandbuch der ‚Volante’, trinkt Kaffee, verschüttet Kaffee, streitet sich mit seinem Navcom über Schach und treibt seinen Roboter Klunk (Wert: 500 Krediten) in den Wahnsinn. Bis eine Bank sich bei ihm meldet und einen Auftrag für ihn hat. 36 Paletten Aktenpapiere in die Außenbezirke des Universums befördern, denn der Prokurist hat seinen Werbegutschein auf einem Getränkebecher eines Gefängnisses gesehen.
Nicht nur mit Hals Flugkünsten und Werbetechnik ist es weit her, er hat keine Ahnung von technischen Begriffen: „Haben Sie irgendetwas davon angerührt?“ - „Nur den großen roten Knopf mit der Aufschrift: >Selbstzerstöungssequenz initiieren<.“ (S.29)
Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, hier haben wir es mit einem wilden Mix aus: ‚Futurama‘, ‚Firefly‘ und ‚Ijon Tichy‘ zu tun.

Aber wie ich in meinem Video-SuB schon anklingen ließ, ich hab da ein kleines, nicht näher ergründbares, Problem mit Serien die ich mittig irgendwo anfange. Was soll ich sagen, ich bin schon wieder in diese Falle getappt. Aber wenn ich ehrlich bin, dieses Buch brauchte keinen Vorgänger („Ein Roboter namens Klunk“). Für sich allein genommen, war die Geschichte perfekt abgerundet. Zur Abwechslung hat es nicht einmal einen Tag gedauert um die 400Seiten zu verschnabulieren. Ein locker, leichter Schreibstil, gepaart mit wenig erklärungsbedürftigen Worten, trotz Science Fiction Thematik. Wer ein bisschen Vorstellungskraft hat, kann einfach zügig weiterlesen. Den Rest erledigen die Figuren und Dialoge, weniger die Szenerien und Dramatik. 



 „ Genau die Art Mann die sie mochte:
attraktiv, gut gebaut und dämlich.“

Es klaffen gerade gegen Mitte/ Ende des Werkes ein paar Logiklücken, die aber am Ende wieder richtig herum gedreht werden. Und jede Person in dieser Geschichte hat seine Aufgabe und wird nicht vergessen. Angedeutete Details des Abenteuers haben immer auch eine Bedeutung im Verlauf der Geschichte und es bleibt nichts liegen, alles ist in sich geschlossen. Ein Schmöker ist dieses Buch. Wer also nur mal etwas für die Kurzweil zur Entspannung sucht, ist hier genau richtig. Denn es geht um nichts Großes, keine tiefen Verschwörungen, imperiale Kriege, Aliens oder moralische Konflikte. Es dreht sich alles um das Überleben im kleinen Stil, wenn auch mit Raumsprüngen. Die Crew der Volante (spanisch für: Steuerrad, Flugblatt, Unruhe) besteht nur aus ihrem Kapitän Spacejock und dem Roboter Klunk. Das reicht aber durchaus, glaubt mir. Die beiden sind die besten Freunde, auch wenn sie sich gegenseitig ganz gern mal verkaufen oder auf die Schippe nehmen.

Problematisch werden solche Freundschaften ja eh erst dann, wenn auf einmal eine Frau dazu stößt. Hier ist es Sonya. Sonya ist Outsiderin und ihre Aufenthaltsgenehmigung innerhalb der Unionswelten abgelaufen, es sei denn, sie findet eine unbefristete Anstellung. Demnach wendet sie sich an Rex Curtis Freightlines, DEM führenden Speditionsunternehmer. Dumm nur, dass der ehemalige Raumfrachterkapitän vor dem Bankrott seiner Firma steht. Woran Hal nicht ganz unschuldig ist (ihr erinnert euch an den eingangs erwähnten Pappbecher mit der Werbung?). Rex hat seinen letzten großen spendablen Finanzier verloren an Hal und sinnt auf Rache. Und nutzt dazu Sonyas Wunsch nach einem Leben in Luxus abseits der Outsiderwelten schamlos aus und hetzt sie Hal auf den Hals. Getarnt als Historikerin besticht sie Hal und reist als Passagier an Bord seines Schiffes mit. Ihr zur Seite steht der Aktenkoffer mit Smiley: Bobby (den Namen hat er sich übrigens selbst gegeben.) 



 „ Komm schon, schieben wir das Ding raus.
Für einen Lacher ist er gut (...).“
Das zu den Beweggründen der einzelnen Figuren. Entgegen Klunks Rat, das tut er übrigens immer… von etwas abraten und Hal hört nie auf ihn, was dazu führt, dass Klunk immer brav hinter ihm die Scherben aufsammeln muss, denn Hal ist einfach, wie formulierte es Sonya noch gleich?Ach, ja: „süß“. Er hat keine Ahnung von Technik, Computern, Raumschiffen, Physik - kein Wunder also, dass er in die Gilde der Piloten nicht aufgenommen wird. Und bei dem Versuch einen leeren Gabelstabler aus seinem Hangar zu entfernen nach getaner Arbeit rutscht der Punktgenau in das Kabäuschen des Hafenamts und reißt es ein wie ein Kartenhaus. Sonya die ihn bis dato noch nicht kannte, glaubt unter diesem Unfall einen unglaublich geschickten Weltraumpiraten zu erkennen und bewundert ihn schon heimlich. Wie groß ist ihre Überraschung jedoch, als sie fest stellen muss, dass Hal der reinste Nichtsnutz, Dämlack und Totalversager ist.

Dies sind zumindest die beiden Seite die sie an ihm kennen lernt, der Leser, also ich, weiß jedoch, dass er bei all seiner Transusigkeit und Trampeltierigkeit ein Herz aus Gold besitzt. Er macht sich keine Gedanken um Ehre oder hehre Ziele. Aber wehe dem, jemand will seinem Roboter ans Metall. Ich war sehr überrascht von dem Mut welcher in diesem Mann zum Vorschein kam, als er seinen schon in wiederverwertbare Teile zerlegten Copiloten durch die Schrotthandlungen eines Planeten folgt und alles mühsam wieder zusammen sammelt. Es ist wie immer mit solchen Charaktere: „Tu’ meinem Freund weh und ich tu’ dir weh! Ich bin der einzige der meinem Roboter Stromschläge versetzen darf!“ Und das lässt Klunk auch immer wieder mit sich machen. Er ist darauf programmiert Befehlen zu folgen und alles mit sich machen zu lassen. Er ist ‚antik‘- Ersatzteile für ihn gibt es kaum noch, aber er reagiert definitiv menschlich. Er verspürt so etwas wie Treue und Loyalität: „Das ist Spacejocks Pilotensessel!“ Ich würde sogar sagen: Dieser Roboter liebt seinen Menschen innig. Darauf programmiert oder nicht, es ist eine herrlich amüsante Freundschaft durch alle Unbilden. 


Fazit:
Grad nen Tag nichts zu tun? Keine Lust auf schwere Kost? Lust auf Lachen und ein paar irrwitzige Flugmanöver und Hackangriffe auf Computer? Dann ist man hier richtig. Es braucht weder ein Happy End, einen Cliffhanger noch einen Sternenkrieg. Reicht doch wenn man auf 400 Seiten knapp 1-2 Tage im Leben eines Hal anschauen kann, der nur Unfug anstellt, aber im richtigen Moment zur Stelle ist. Es gibt übrigens keine Szene die direkte Vorlage für das Cover war. Aber es spiegelt das Verhältnis von Hal und Klunk auf schönste Weise wieder. Wenn das nächste Mal einer mit einem Pad vor Hal steht, weil er mal wieder nicht liquide ist und die Tankstelle ihm mit entsprechenden Maßnahmen droht und sich sofort seine Bank meldet wegen überzogenem Konto und die Versicherung, weil sie für Dummheit nicht haften - und die kleine DNA Nadel seine Unterschrift ersetzt und ihn in den Finger sticht… ja DANN kann man sich sicher sein, dass Klunk mit dem Erste-Hilfe-Koffer schon in der Luftschleuse zur Passagierrampe wartet und ihn großzügig verarztet, während das Navcom sich in den unendlichen Weiten seiner Datenströme kringelt vor Lachen und damit die Kaffeemaschine einmal mehr lahm legt.

Abgesehen davon aber, gibt es immerhin auch den Verdachtsmoment, wie die Serie weiter verlaufen könnte, denn zufällig sind Hal und Klunk ja auf dem Planeten einer längst vergessenen Zivilisation mit Materietransmittern auf die Spur gekommen. Na ja gut im Kampf mit Rex und seinem super böse ‚Feinde eliminieren‘-Roboter: Tinker ist dieser Bunker, den sie da gefunden haben, verschütt gegangen, aber was soll’s. Wenn sich Hal durch eines auszeichnet, dann dadurch total unberechenbar zu sein. Wobei… nein: er wird dorthin zurückkehren! Ziemlich berechenbar.


Urteil: Warum hat noch niemand Unterwäsche erfunden die nach Außen vernäht ist? Charmantes Buch!
Quelle: http://lesekatzen.blogspot.de/2015/07/rezension-helden-heulen-nicht-simon.html