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Lesekatzen

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Vier Katzenbesitzerinnen bloggen gemeinsam über das, was sie neben ihren Vierbeinern am meisten lieben: BÜCHER!!!

[REZENSION] Bin mal kurz tot - Lance Rubin

Bin mal kurz tot: Roman - Lance Rubin, Frauke Meier

Bin mal kurz tot - Lance Rubin
Originaltitel: Denton Little's Deathdate (Denton Little #1)
ivi, 2015
352 Seiten
Klappenbroschur
ISBN: 978-3-492-70334-5
€ 16,99
eBook
Preis: € 11,99
Hörbuch-Download 
9 Stunden, 24 Minuten (ungekürzt)
Preis: € 23,23


Klappentext:

 
Was ist besser - das Leben oder der Tod?
 
Was, wenn du das Datum deines Todes kennst?
Den Tag des eigenen Todes zu kennen - das ist für Denton ganz normal. Denn inzwischen kann die Wissenschaft anhand bestimmter Tests den Todeszeitpunkt aus dem eigenen Blut herauslesen. Bereits im Kindesalter wurde Denton bescheinigt, dass er im Alter von 17 Jahren an einem bestimmten Datum sterben wird - und dieser Tag ist morgen. Traditionell tun die Menschen in den Tagen vor ihrem Ableben, der sog. Death Week, alles, was sie schon immer tun wollten. Nun, Denton erwacht im Bett eines Mädchens, das aber defitiniv nicht seine Freundin ist. Eigentlich wollte er nicht unbedingt jetzt in Streit mit Taryn geraten - schließlich ist für den Nachmittag vorab seine Beerdigungszeremonie angesetzt, bei der sich Familie und Freunde von ihm verabschieden. Einzig auf welche Weise Denton den Tod finden wird, weiß er noch nicht. Und als er anynome Drohbriefe erhält ("Du wirst sterben" - nun ja, so eine Drohung einen Tag vor seinem Tod erschreckt ihn relativ wenig) und ein mysteriöser Fleck auf seiner Haut erscheint, findet er nach und nach heraus, dass etwas an seinem vorhergesagten Tod ganz und gar nicht stimmt. Doch hat er genug Zeit, herauszufinden, was?
 


 Meine Meinung
 
In einer nicht allzufernen Zukunft ist es möglich, bereits bei der Geburt zu bestimmen, wann man sterben wird. In einigen Ländern, darunter die USA, ist dieser Test Pflicht. So weiß auch Denton Little schon seit er fünf Jahre alt war, dass er kurz vor dem Highschoolabschluss sterben wird. Dass seine Ma eigentlich seine Stiefmutter ist und seine leibliche Mutter bei seiner Geburt starb, hat er dafür erst mit acht Jahren erfahren.
 
Der Roman beginnt am Morgen des Tages vor Dentons Sterbedatum mit einigen Überraschungen: 1. Denton hat zum ersten Mal in seinem Leben einen Kater, nachdem er sich am Abend zuvor betrunken hat und einige Filmrisse hat. 2. Seine Freundin Taryn hat mit ihm Schluss gemacht - wenn er sich richtig erinnert. 3. Er hat mit Veronica, der Schwester seines besten Freundes Paolo, rumgemacht. 
 
Im Lauf des Tages stellt sich heraus, dass 2. gar nicht stimmt und 3. sogar weiter ging, als er glaubte. Als würde das damit einhergehende Gefühlschaos noch nicht reichen, um seine letzten 24-48 Stunden auf Erden zu verkomplizieren, breitet sich ein merkwürdiger purpurfarbener Klecks auf seiner Haut aus, der auch noch ansteckend zu sein scheint. Ist das vielleicht die Art, auf die Denton sterben wird? An einem tödlichen Hautausschlag? Oder vielleicht doch durch "Ekelcop", einen örtlichen Polizisten, der dummerweise der Großvater von Taryns Exfreund Phil ist und gerade jetzt Denton auf die Pelle rückt? Als ihm dann noch der Arzt aufsucht, der ihn auf die Welt brachte und ihn verschwörersich drängt, niemandem zu vertrauen, selbst, wenn es jemand von der Regierung ist, spätestens dann wird einem klar, dass Denton eigentlich viel zu wenig Zeit bleibt, um die Ereignisse und Wendungen, die sich in diesen letzten Stunden seines Lebens ergeben, aufzudröseln.
 
In einer Welt, in der jeder sein Todesdatum kennt, wird mit diesem sensiblen Thema ein wenig anders umgegangen als wir es kennen. So findet die Trauerfeier vor der Beerdigung statt, es werden Reden gehalten - auch vom Sterbenden selbst - es gibt Musik und Tanz. Am Todestag selbst versammeln sich Freunde und Familie im Haus des Sterbenden und warten gemeinsam darauf, dass das unausweichliche Ende kommt. Denton hat also ganz schön viel zu tun und nicht wirklich viel Zeit für die Rätsel, die sich ihm nun nach und nach stellen. Dabei behält er immer einen herrlichen Humor, der zuweilen auch politisch unkorrekt und unsensibel mit dem Thema Tod und Sterben umgeht. Dabei ist Denton nie unsympathisch. Im Gegenteil: Er verbringt seine letzten Stunden zum Beispiel damit, seinen Mitschülern zu sagen, was er an ihnen mag. 
 
Auch die anderen Figuren sind im Großen und Ganzen sehr sympathisch. Allen voran Paolo, dessen Sterbedatum nur 26 Tage nach Dentons liegt. Dentons Stiefmutter ist eine Löwenmutter, die Denton um alles in der Welt beschützen will, sein Vater dafür eher der kühle, schweigsame Typ, der nicht recht mit seinen Gefühlen umgehen, geschweige denn, sie aussprechen kann. Taryn fand ich zuweilen etwas anstrengend, ihre Entschuldigungen für Phil gar nervend, Veronica hingegen sehr angenehm. Auch Millie, eine Kindheitsfreundin und Klassenkameradin Dentons, deren Todesdatum nicht festgestellt werden kann - was sie zu einer kleinen Besonderheit macht - war erfrischend komisch. 
 
Man ahnt früh, dass Dentons Geschichte weitergehen muss, dass der Autor einfach zu viele Rätsel für seine Hauptfigur aufwirft, als dass dieser einfach sterben kann, ohne sie alle zu lösen und so überrascht es nicht, dass das Ende mit einem (mehr oder weniger) überraschenden Cliffhanger endet. Ich war zumindest auf der richtigen Spur und nicht sooo überrascht, wie ich es von manch anderen Lesern gehört habe, was auf keinen Fall negativ gemeint ist. Es ist trotz allem ein Cliffhanger, die großen Fragen sind nach wie vor unbeantwortet und ich bin wirklich sehr gespannt darauf zu erfahren, wie es weitergeht!
 
Das Cover könnte glatt ein Poster einer dieser Trauerfeiern sein, mit Luftballons, Partyhüten und Geschenken. Ich muss zugeben, es hätte mich nicht sonderlich angesprochen - die Cover der englischsprachigen Ausgaben allerdings auch nicht. Es war hier allein der Titel, der mich dazu brachte, mir das Buch näher anzuschauen, der Klappentext tat sein übriges.
 
Lance Rubin versteht es, Denton mit seiner Sprache und seinem Schreibstil Leben und Seele einzuhauchen (Wortspiel nicht beabsichtigt). Nicolás Artajo ist als Sprecher für das Hörbuch eine exzellente Wahl: Eine sehr angenehme, ausdrucksstarke Stimme und es gelingt ihm hervorragend, Dentons Gefühle auszudrücken und den Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. 
 
Eine absolute Lese- bzw. Hörempfehlung! 
 
Quelle: http://lesekatzen.blogspot.de/2015/07/rezension-bin-mal-kurz-tot-lance-rubin.html