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Lesekatzen

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Vier Katzenbesitzerinnen bloggen gemeinsam über das, was sie neben ihren Vierbeinern am meisten lieben: BÜCHER!!!

[REZENSION] Die Widerspenstigkeit des Glücks - Gabrielle Zevin (by Nika)

Die Widerspenstigkeit des Glücks: Roman (German Edition) - Gabrielle Zevin, Renate Orth-Guttmann

Die Widerspenstigkeit des Glücks - Gabrielle Zevin
Diana Verlag, 2015
288 Seiten
Taschenbuch
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-453-35862-1
eBook
Preis: € 9,99
ISBN: 978-3-641-12632-2


Klappentext:
Amelia ist Verlagsvertreterin und lernt dabei die eigenwilligsten Buchhändler kennen. Genau so einer ist A. J. Fikry. In seinem Herzen haben nur turmhohe Bücherstapel Platz. Bis er einen ungebetenen Gast entdeckt: Eines Morgens sitzt die zweijährige Waise Maya in der Kinderbuchecke seiner Buchhandlung. Gegen seinen Willen nimmt sich A. J. des kleinen Mädchens an, das sein Leben kurzerhand auf den Kopf stellt. Und auch Amelia wird er nicht so schnell vergessen können …



Ein Buch über einen Buchladen. Ein Buch über Bücher. Über Menschen, die Bücher lieben. Dazu noch eine wirklich spannende Zusammenstellung an Menschen mit kleinem Waisenkind, unfreiwilligem Pflegevater/Buchhändler und einer Verlagsvertreterin, von der man als Gegenpol des Buchhändlers ausgehen kann. Das klingt nach einer wunderbar leichten Sonntagslektüre. Nach einem Buch, das man gemütlich auf dem Sessel oder der Couch eingemummelt lesen kann und das man am Ende mit einem zufriedenen Seufzen zuklappt.

 

Ich sage es gleich: Das war es leider nicht. Dabei begann es eigentlich so vielversprechend:

 

Die Autorin gibt uns mit Mr. Fikrey einen sehr angenehmen Erzähler, auch wenn er anfangs einen griesgrämigen Eindruck macht. Diese Erzählstimme lernt der Leser bereits vor dem ersten Kapitel kennen, denn vor jedem Kapitel steht eine Beschreibung eines Romans, Novelle oder Kurzgeschichte, nach denen das Kapitel benannt ist, die von A. J. an Maya geschrieben ist.

 

Insgesamt waren mir die vorgestellten Haupt- und wichtigeren Nebenfiguren auf den ersten Seiten bereits sympathisch und ich war neugierig, sie besser kennenzulernen und mehr über sie zu erfahren und in ihre Geschichte einzutauchen. Das funktionierte für mich leider nur bedingt. Zwar bleiben die Figuren durchweg sympathisch, man erfährt auch ein wenig mehr über sie, aber das Eintauchen in die Geschichte und das wirklich richtige Kennenlernen der Figuren wollte nicht ganz gelingen.

 

Auf weniger als 300 Seiten begleiten wir die Figuren in über 10 Jahren. Da ich die verstrichene Zeit nur anhand Mayas Alter ausmachen konnte, fiel es mir öfter schwer, einzuordnen, wann wir uns denn gerade befinden, denn Maya verhält und redet alles andere als altersgerecht, so dass es schwer zu sagen ist, ob sie nun noch ein Kindergartenkind ist oder schon ein am Ende der Grundschulzeit angekommen ist. Ich muss auch sagen, selbst, wenn man das Alter Mayas genannt bzw. angedeutet bekommt, gibt es wenig, was sie jenseits des buchbegeisterten Mädchens charakterisiert. Auch A. J. und Amelia kann man hauptsächlich durch ihre Bücherliebe charakterisieren. Bei A. J. kann man noch anführen, dass er Witwer ist und lange um seine Frau trauert. Aber wirklich zu den Figuren durchdringen, das konnte ich leider nicht. Da fand ich die beiden Nebenfiguren des Polizisten Lambiase und A. J.s Schwägerin Izzy schon besser ausgearbeitet.

 

Das wäre allerdings für mich gar nicht so ein großes Problem gewesen, wäre das Buch, wie ich erwartet hatte, eben dieses „Sonntagsnachmittagsbuch über Bücher und Menschen, die Bücher lieben“ gewesen. Aber das war es eben nicht.

 

Der englische Originaltitel hätte mich wohl eher davor gewarnt, welche dramatische Richtung das Buch einschlägt. Nach etwa 250 Seiten – also kurz vor dem Ende – will das Buch nämlich noch einmal beweisen, wie widerspenstig das Glück tatsächlich ist (um beim deutschen Titel zu bleiben). Das war mir dann doch zu viel. Gerade A. J. und Maya starten bereits in das Buch mit einigen Schicksalsschlägen (A. J. ist, wie gesagt, Witwer, Maya wird von ihrer Mutter in seinem Buchladen zurückgelassen um nur die größten zu nennen), war es da zu viel verlangt, dass sich das Glück in diesem Buch zum Ende hin als treu erweist? Muss man wirklich noch einmal ausholen und mit dem Holzhammer darauf hinweisen, dass es diesen Menschen offenbar nicht vergönnt ist, glücklich zu sein? Das Ende war mir dann auch zu übereilt, zu gewollt und schien auf den allerletzten Seiten noch einmal versöhnen zu wollen und doch, es will sich einfach nicht „richtig“ anfühlen.

 

Aber vielleicht ist das auch das große Problem, das ich mit diesem Buch rückblickend habe: Das Ende wirkt nicht „richtig“ weil das Buch nichts so „richtig“ ist. Es ist kein reiner Liebesroman – die Story zwischen Amelia und A. J. geschieht scheinbar nebenher. Es ist kein Drama – dafür werden selbst die Katastrophen des Buches nur nebenher behandelt. Es passiert scheinbar alles irgendwie „nebenher“.

 

Fazit: Ein Roman über Bücher und Menschen, die Bücher lieben. Aber kein Roman, der einen mit dem wohligen Gefühl zurücklässt, wie es ein Sonntagnachmittag in seinem Lieblingssessel zu tun vermag.

Quelle: http://lesekatzen.blogspot.de/2015/06/die-widerspenstigkeit-des-glucks.html