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Lesekatzen

Lesekatzen

Vier Katzenbesitzerinnen bloggen gemeinsam über das, was sie neben ihren Vierbeinern am meisten lieben: BÜCHER!!!

Mit nem Luftkuss

  "Wer ein Huhn hat, kann sich glücklich schätzen."


 Mal wieder London, aber nicht im 19. Jahrhundert, sondern, äh ja, so genau weiß ich das gar nicht, jedenfalls ist diese Geschichte angesiedelt im 'Übermorgen'. Die Großväter unserer Großväter sollen wohl wir sein, sprich unsere Zeit. Hierzu ein kleiner Exkurs: London hat eine Population von 8,4 Millionen Menschen. In der Zeit, in der 'Watcher' spielt ist die Metropole auf 12 Millionen angewachsen. Das entspricht einer heutigen Metropole wie zum Beispiel Rio de Janeiro. Diese Riesenstädte gliedern sich in zwei Bereiche und sind abgeriegelt gegen das umliegende Brachland (Niemandsland). Der Kern besteht aus den Industriellen und ihren Villen, der äußere Ring besteht aus der Arbeiterklasse- also den Slums. Jede Metropole sieht so aus, Lissabon, Paris, Genf, … . 

 
Jetzt weiß ich gar nicht an welcher Stelle ich ansetzen soll. Vielleicht erst einmal mein Leseeindruck. Es gelang mir nicht meine Konzentration auf dieser Geschichte zu halten über einen längeren Abschnitt hinweg. Es fiel mir leicht einfach aufzuhören und etwas anderes zu tun, ohne das ich dabei das Gefühl hatte dringend weiter lesen zu wollen. Ich nehme an, dass es für viele Leser beeindruckend wirkt, dieses Werk in der Ich- Perspektive von Watcherin Jo zu erleben, sowie es sicher faszinierend ist einmal im Präsens zu erscheinen. Für mich nicht, mich hat es gestört, ich bin es scheinbar zu sehr gewöhnt den Genuß einer Geschichte in der Vergangenheitsform zu erleben. Zudem ist es nicht nötig, beim Wechsel in die Sicht der Cupid- Gruppierung, die Typografie auf Kursiv zu stellen, da man ohnehin bemerkt, dass nicht länger die Ich- Perspektive herrscht. Darüber hinaus empfand ich die Häufung an Anglizismen teilweise sehr störend „Chips checken, Saviour, Watcher...“ Ich gestehe aber einer Zukunftsgeschichte ganz klar zu sich frei weg bedienen zu dürfen. Was das Autorenpaar hier auch getan hat, russisch, französisch und vor allem englisch eben. 
 
"Wer eine Kuh hat, sollte vorsichtig sein"
 
Unsere Protagonistin ist Mali, eine Hündin die in ihrer Ausbildung an der Watcher- Schule ein Menschenmädchen mit unbekannter Herkunft zur Seite gestellt bekommt, die man andauernd warnen und retten muss. Vorzugsweise vor bebrillten Cupids oder eben sich selbst. Zumindest hat dieses für immer in einem jugendlichen Körper fest steckende Gör einen einfachen Namen: 'Jo'- ebenso wie 'Cy', der auch schon seit Jahr und Tag da herum schleicht. Bis auf diese beiden lernen wir im ganzen Buch jedoch keine weiteren Watcher kennen. Außer einem Kerl, der mir wie ein Sektenanführer vor kam und seinen Dienst scheinbar vor einer Weile quittiert hat. Hier muss ich auch mal ganz klar den Rotstift ansetzen, denn das beißt sich doch ziemlich mit dem Haken am 'Über- Bodyguard' sein, der erst gegen Ende bekannt wird, demnach ein Watcher nämlich schlichtweg 'abgeschaltet' werden kann. Entweder diese nicht ganz unwichtige pressierende Warnung hätte als Hinweis ganz vorn hingehört, oder man hätte sie als unbekannte Gefahr einführen können, die den einzelnen Watchern gar nicht bekannt war. 
 
Die Watcher sind Sicherheitskräfte und Leibwächter, darauf trainiert besser, schneller, Schmerzfreier und Emotionslos zu sein. Was meiner Meinung nach völlig misslungen ist. Als nämlich dann doch gen Finale ein Dutzend von diesen Jugendlichen auftauchen, zeigen alle dasselbe Schema von Verwirrung und Verzweiflung. Ich hatte das Gefühl, das sich diese Beobachter von so ziemlich jedem normalen Menschen aus den Socken hauen lassen können und sich ihre Kräfte nur einreden. Was auch erklärt wie die Handlung aufgebaut ist und warum Jo andauernd rum weint, wenn es um Cy geht. 
 
 "und wer gleich mehrere Tiere besitzt, muss um sein Leben bangen."
 
Gestartet wird das Abenteuer mit einem Zirkus, dem Jo ihren Schützling anvertraut und wie sie auf den Unsinn gekommen ist, kann ich mir wirklich beim besten Willen nicht erklären. Wie ich ja später erst erfahren habe, darf sie ja nicht länger als eine bestimmte Zeit von Patience getrennt sein, wie man also seine Schutzbefohlene auf die Art wegschicken kann, will mir einfach nicht in den Kopf. Jo, Cy und Mali reisen dann hinterher und stellen fest, dass sie mit dem 'Watcher' Status absolut gar nichts in der Welt anfangen können. Zu Viert, später zu Fünft- als noch ein Junge dazu kommt, mit dem prächtigen Namen Skinner, versuchen sie nun zurück zu reisen, wahlweise auch zu schwimmen zur Not. Wobei sich die Meinung bezüglich der 'Sicherheit' innerhalb der Gruppe stark voneinander unterscheidet. 
 
Nicht fehlen darf natürlich das Erblühen der Liebe und Verrat, Vertrauen und Freundschaft. An sich aber gab es in dieser Geschichte für mich kaum etwas Neues oder unglaublich Spektakuläres. Dieses Buch eignet sich eher für jene Leser, welche mit dem Begriff Dystopie noch nichts anfangen können. Mich hat es nicht in den Bann geschlagen. Vor allem an dem Punkt nicht mehr, als klar war, wer der Antagonist ist- das darf ich durchaus verraten- nämlich nicht die ominösen Cupids. Denn denen ist ja anscheinend der zweite Teil, Cupid- Unendliche Nacht, gewidmet und tatsächlich hadere ich mit mir ob ich weiter lesen sollte, weil es könnte ja vielleicht noch interessant werden. Immerhin sind Slade, Lynn, Catrall und Spunk in guter MadMax oder viel mehr Shadowrun Tradition schon eher mein Fall, wie die Watcher.
Fazit: 
Ich habe das ungute Gefühl, dass im nächsten Band viel zu viel Eifersüchtelei zwischen Patience, Skinner, Cy und Jo auf den Leser zukommen wird. Daher hoffe ich einfach mal, das es sich- wie der Titel ankündigt- mehr um Slade und Lynn/ Catrall drehen wird, wobei das Werk etliche Pluspunkte gut machen würde bei mir, wenn diese Dreierkonstellation mal anders angegangen wird. Die Hündin ist ganz klar mit eine der herausragendsten Persönlichkeiten in diesem Buch, da mir kein Charakter so gut gefallen hat wie dieses Tier. 

Der Antrieb der Kinderhäscher ist schon hart an der Grenze zu einer guten Dystopie, aber ich fürchte man durfte nicht böser werden, denn wenn hier mal geblutet wird, wird das locker weggesteckt. Ich hatte den Gesamteindruck, auch durch das Cover hervorgerufen, welches einen unglaublich mystisch- magischen Eindruck vermittelt, dass wir uns auf der Sonnenseite bewegen und meiner Meinung nach hätte dem Buch mehr düstere und fiesere Stimmung gut getan. Dazu erwarte ich von 'ewig Jugendlichen', dass sie sich eben nicht wie Jugendliche benehmen. 
 


Zum Urteil reich' ich ein 'Baiser d'Air': Ein niedlicher Schnupperkurs

Quelle: http://lesekatzen.blogspot.de/2014/07/rezension-watcher-ewige-jugend-by-key.html