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Lesekatzen

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Vier Katzenbesitzerinnen bloggen gemeinsam über das, was sie neben ihren Vierbeinern am meisten lieben: BÜCHER!!!

Die Schnüss ist schneller als ds Schwert (von Key)

Blutrecht: Greatcoats - Sebastien de Castell
"Ich hasse Magie."
 
Am Anfang- ich setz' ja immer ganz gern Zitate mit ein, aber in diesem Fall haben wir es mit Batman, Ironman und Greenlantern zu tun, die alle als die drei Musketeere verkleidet sind und sich alle ganz doll lieb haben. Das zu erst einmal wie ein Krimi oder Thriller wirkende Cover kommt mit einem unverschämten Bild- in- Bild Versuch daher, welches uns ganz schön an der Nase herum führt. Genauso ist auch de Castells Stil. Er schickt nicht nur wissend die 'Lumpenmäntel' in die Irre und lässt sie ein um's andere Mal fast verrecken, nein den Leser hält er ebenso an der kurzen Leine. Durch die Ich- Perspektive und die immer wieder auftauchenden Rückblenden in die Vergangenheit des Hauptcharakters: Falcio val Mord- äh Mond. Von seinen Kindertagen bis hin zu seiner jetzigen prekären Situation, bleiben auch keine Möglichkeiten um Szenen zu wechseln. Die Handlung bleibt bei Falcio und als Leser kann man nur genau das beurteilen was er einem Preis gibt oder mitbekommt.
 
"Ein König verkündet Gesetze wie er will,
Ein Herzog beherrscht das Land, das er will,
Eine Frau beherrscht mein Herz, wenn sie will,
...aber niemand herrscht über meine Karawane!"
 
Ein König... DER König, wenn man Falcio fragen würde. Ein Freund, ein geliebter Freund, ein Mann, den ich zu gerne kennen gelernt hätte, aber wie wir ja schon wissen, ist dieser leider bereits tot und der versprengte Rest seiner phantastischen Trattari rennt herum und schlägt sich halt so durch, wenn sie nicht gerade zu Raubrittern geworden sind oder von irgendeiner Stadtwache zwischen Hier und Da (nächstes Mal ne Gebietskarte bitte) auf 'der Speer' hingerichtet werden. Wobei man aber schon sagen muss: Es ist schon verdammt schwer einem oder einer dieser 144 Greatcoats beizukommen.
 
Ach, diese Mäntel... braun, lang, abgewetzt, ein Emblem auf der Brust, ein hochklappbarer Kragen, eingenähte Knochenplatten als Protektoren. Getragen wir er meist wohl mit hoch gekrempelten Ärmeln (ja die Jungs packen ja auch gern zu), aber wenn man sie abwickelt, kann mit einer Schlaufe noch einen Trick aus dem Ärmel geschüttelt werden. Einer der unzähligen 'Gimmicks' die jeder Supermann in seinem Gürtel- äh die in den Taschen verborgen sind und auf ihren Einsatz warten. Dabei ziehen die ausgebildeten Recken es vor in der Regel nicht zu Erst zu schießen- denn sie sind nicht weniger als Urteilsverkünder. Sie sollten gar keine Privatarmee sein, sondern schlau und gerecht. Das macht sie ja beinah schon zu Übermenschen.
 
"Die Armee besteuert die Kuh in meinem Stall, wenn sie will
Das Herzogtum besteuert den Rest vom Hof, wenn es will,
Der Hausbesitzer besteuert meinen linken Arm, wenn er will,
...aber niemand besteuert meine Karawane!"
 
Wirkliche Helden sind sie aber gar nicht. Sie haben Fehler und sie machen Fehler. Wobei mir einer der besten Freunde Kest da wohl eher nicht zustimmen würde- der immerhin der übertollste Schwertkämpfer aller Zeiten ist. Aber auch der dritte im Bunde: Brasti (und es ist purer Zufall, das dies das althochdeutsche Wort für: 'Schwätzer' ist) hat Talente die nicht nur seine vorlaute Schnüss oder seine Lendengegend betreffen. Das ist ein sehr hervorstechendes Merkmal dieses Romans. Die Schnodder- Sprache. Oder sollte ich lieber sagen: Zynismus. Da wird alles, aber auch wirklich alles mit einem echt passenden oder unpassenden Spruch kommentiert. Was es so schwer macht, ernst zu bleiben beim lesen, wo es doch so spannend und mitreißend ist. Aber gerade dieser Humor vollendet die Charaktere und ihre Gesinnung. Und wenn sie mal nichts Blödes oder Gemeines sagen, tja dann is aber das Häufchen Fäkalien richtig am dampfen.
 
Stichwort 'Dampf': Hier wird allerhand Dampf abgelassen. Vorwiegend gegen niedrige Adelige, mittlere Adlige, höhere Adelige und überhaupt alles und jeden und wehe es sagt noch einmal einer: 'Lumpenmäntel'- dann könnte es passieren, das der ein oder andere einfach nicht mehr an sich halten kann. Es ist aber auch ein Kreuz- da ist man so ehrenhaft und loyal und tapfer und alle Welt verabscheut einen- Warum nur?
 
"Schlag mich im Kampf, ich wette, das kannst du,
Betrüg mich beim Kartenspiel, und ich falle auf dich rein,
Nimm mir mein Leben, wenn du glaubst, du schaffst das,
Aber bevor du meine Karawane bekommst, bist du schon lange tot!"
 
Die Sherrifs von Tristia (ob das von 'trist' kommt?) in ihren Mänteln sind keine Diebe! Da würden mir alle bis auf Brasti widersprechen. Und Mörder- also bitte- Kest hat versprochen solange der erste Kantor lebt die Füße still zu halten- oder zumindest solange er in der Nähe ist! Verräter?- Es ist nichts so wie es scheint- ist es Verrat seinen eigenen König zu ehren und zu lieben und ihm jede 'Geis' die er einem auferlegt bis zum mit Erdbeergeschmack gekrönten Ende zu erfüllen? Fragt sich einmal mehr was die Leute besser aufnehmen: Verrat oder Schwurbruch. Oder ist es gar dasselbe? Was ist das nur immer, das die Bevölkerung ihre Sündenböcke lieber zur Stadt hinausprügelt, anstatt denjenigen zu hängen, der nicht zählen kann und aus einer Blutwoche 10 Tage macht? Menschen... so manipulierbar- das Land sehnt sich nach einem neuen Monarchen!
 
Ja, das ist aber gar nicht so einfach wie unsere kleine Truppe hier fest stellen muss. Sie sollen irgendwelche 'Charoite' aufspüren und sie haben noch so einen Rest Hoffnung, das sie es irgendwie schaffen zu überleben. Aber je weiter die Geschichte voran schreitet und die Rückblenden gezielt Aufklärungen geben, desto klarer wird, das Götter und Heilige anscheinend keine Lust mehr haben auf dieses Pack. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich- aber irgendeiner schafft es ja immer sich aus der Menge hervor zu heben. Oder Eine. In diesem Buch haben wir nämlich auch ein paar Figuren die sich für die Rolle der 'Milady' qualifizieren.
 
"Meinem Herren gehört mein Land.
Mein Schutzheiliger führt meine Hand.
Mein Gott weiß, dass ich ihm Gehorsam schulde.
Aber mein Bruder ist der Mann, der meine Karawane beschützt."
 
Am Ende hab ich zweimal aufgeheult- nein dreimal. 'Loriot' lässt grüßen: „Wer?- Er?- Was?- Oh!- Sie? Uh!- Hn!- Nein!- Oooh!“ Und ich darf es ja nicht verraten, will ja nicht, das einer schon all die Finten und Tricks vorher durchschaut, sondern das ihr euch alle schön mitziehen lasst in diesen Strudel aus Intrigen, hervorragend beschriebenen Kampfszenen und dem erstklassigen Humor. Das de Castell dezent darauf hinweist das er sein Archäologiestudium beendet und dann doch keinen Spaß am Buddeln hatte und mal eben spontan den Beruf wechselte um Kampf- Choreograph zu werden, hat ihm und seiner schneidenden Schreibweise sehr gut getan. Aber so mach ich das ja auch immer, wenn ich mal keine Lust mehr auf meinen Job hab, dann werf' ich mein Schäufelchen einfach weg und mach was anderes. Gut, das die Charaktere da anders und sich ziemlich sicher sind wer sie sind- äh meistens...
Nein Hauptmann,  glaube mir, das war nicht verrückt. Ich war schon mal verrückt, das klingt ganz anders.“
Feltock blieb der Mund offen stehen: „(…) Wie hört sich das denn dann wohl an?“
Leise“ sagte ich, „hauptsächlich ganz leise.“
 
 
 
Fazit: 
"Das Lied ist schneller als das Schwert."
 
Was völlig überflüssig für mich war: Die Kapitelüberschriften. Schön... und der Autor hat sich dabei bestimmt auch was gedacht, aber sie gingen in der Grafik unter und störten meinen Lesefluß. Ich war so sehr in dieser Welt abgetaucht, das es einfach völlig irrelevant war.
Und jetzt wo ich das Buch grad umdrehe: „Ihr Name: steht für das Gesetz, Ihr Schwert: kämpft für Gerechtigkeit, Ihr Wille: beschützt die Schwachen“ wieso muss ich jetzt an: „Ein Ritter gelobt die ewige Tapferkeit, Sein Mund sagt nur die Wahrheit, sein Herz... sein Schwert... “ aus Dragonheart denken? Vielleicht weil dieser Fantasyroman zwischen Abenteuer und Epos ein paar wirkliche Helden hat, die sich vor allem dadurch auszeichnen das sie sich sympathisch mit Macken und auf die Schnauze hauen, durch eine schlüssige Handlung bewegen. Und es bleiben noch viele Möglichkeiten und Wege offen für den geplanten Vierteiler.
 
Aber erst einmal haben alle noch lebenden Jungs und Mädels dieser Abenteuergruppe einen Stufenanstieg verdient. Und wie so oft bei der Frage: Wer ist hier WIRKLICH der Held- sollte man nie die Personen vergessen die den Tag retten, wenn die Situation aussichtslos erscheint. Einer meiner persönlichen Helden: 'Blonder' und 'Ungeheuer'- natürlich- ich meld' mich auch im Sommerkurs für 'Fabeltierisch' an- Versprochen!
Denn weiter geht es mit dem zweiten Teil 'Hochverrat' schon im Herbst und mit der Frage: Wie viele ECHTE Greatcoats hat die Welt denn nun zu bieten? Werden sie vereint reiten? Werden die Heiligen (also die 'kleinen Götter') sich die Ehre geben? Und werden die Herzöge endlich kapieren das Recht nicht gleich Blut ist? Der deutsche Titel legt nämlich etwas viel Augenmerk auf das Blut im Gegensatz zu dem Englisch: 'traitor's blade'.
 
Urteil:
Dieses Buch macht alles richtig.
Aber ich weiß wirklich nicht auf welchen Heiligen ich mich jetzt berufen soll:
Shiulla, der mit Bestien badet
Zaghev, der für Tränen singt
Caveil mit dem blutigen Gesicht, dessen Klinge Wasser schneidet
Werta, der auf den Wellen wandelt
Gan, der beim würfeln lacht
Birgid, die Flüsse weint
Laina, die für die Götter hurt
Merhan, der die Pfeile lenkt
Ach, nehmen wir sie doch alle: voll ins Schwarze.
 
Quelle: http://lesekatzen.blogspot.de/2014/06/rezension-blutrecht-sebastien-de.html